Bill Gates hat schon früh das Ziel formuliert,
der einzige Softwarehersteller der Welt zu werden. Microsofts
Führungsebene begreift ihr Geschäft dementsprechend
traditionell als Kampf und zwar nicht als Kampf für die Anliegen
des Kunden oder als Kampf gegen Fehler, sondern primär als
Kampf gegen die Konkurrenz. Neutral formuliert ist ihre Firmenstrategie
wettbewerbs- und nicht kundenorientiert. Wichtigste Änderungen
neuer Produktversionen beruhen insbesondere auf folgenden Motivationen:
• Wie kann der Einsatz von Produkten anderer Hersteller
in Kombination mit diesem Produkt verhindert oder erschwert werden
(z.B. Veränderung von Standards (s.u.) oder ständige
Erweiterung des Betriebssystems um Zusatzfunktionen, die von Drittanbietern
bereits angeboten werden (den Drittanbietermarkt klein halten).
• Wie kann ich den Kunden dazu bewegen, auf die neueste
Version umzusteigen? (Schaffung von Inkompatbilitäten, Verpflichtung
von OEM-Herstellern, auf die neueste Betriebssystemplattform umzustellen)
Zusammenfassend könnte man als Vergleich formulieren, dass
sich Microsoft nicht damit begnügt, Autos (hier: Software)
für vorhandene Strassen und Verkehrsregeln (Betriebssystem,
Softwarestandards) herzustellen, sondern versucht, ihre Produkte
nur für ihre eigenen Strassen mit eigenen veränderten
Verkehrsregeln zu betreiben.
Objektiv ist festzustellen, dass es zwar kaum Firmen gibt, deren
Geschäftsgebaren als ehrlich, fair und fern jeder Täuschung
zu bezeichnen wäre. Dies fängt bei Packungsgrößen
von Lebensmitteln an, geht über die Preise von Zusatzausstattungen
oder Ersatzteilen beispielsweise in der Automobilindustrie bis
hin zum Zwang zu laufenden Softwarekosten durch Updates und Wartung
bei vielen Softwareherstellern wie etwa SAP. Des Weiteren sind
viele der beschriebenen Vorgehensweisen von Microsoft eher moralisch
als rechtlich angreifbar. So ist es rechtlich in einer Marktwirtschaft
äußerst schwierig, einer Firma wie Microsoft vorschreiben
zu wollen, welche Funktionen sie in ein Produkt einbinden darf
und welche nicht. So sind in erster Linie zwei Faktoren überraschend:
• Die Verbissenheit mit der Microsoft trotz Marktführerschaft
und vielfacher Monopolstellung an ihrer Aggressivität festhält.
• Der andauernde Markterfolg, der diese Strategie nicht
abgestraft hat, sondern zu ihrer Bestätigung führt.
Hierbei profitiert Microsoft jedoch auch von der Tatsache, dass
bei Software die Bekannheit eines Produktes als einer der wichtigsten
Kauffaktoren angesehen wird, woraus sich ein inhärenter Trend
zur Monopolisierung ergibt.
Kennzeichnend für die Ergebnisse der beschriebenen Strategie
ist, dass viele Kunden und auch geschäftliche Marktteilnehmer
nicht mehr das Gefühl haben, die Wahl zu haben, welche Software
sie mit welchen Eigenschaften einsetzen, sondern sich dem "Innovationszwang"
von Microsoft ausgesetzt fühlen. Microsoft setzt die Meilensteine,
ein großer Teil des Marktes läuft diesen nach. Umgekehrt
wird bei Innovationen anderer Hersteller oft abgewartet, bis Microsoft
diese Idee verinnerlicht und massentauglich gemacht hat.
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